Der Tod - eines der letzten großen Tabus

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Traumprinz
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Der Tod - eines der letzten großen Tabus

Beitrag von Traumprinz » Sa 16. Apr 2016, 18:29

Hallo zusammen :)

Ich habe das Thema mal hier aufgemacht, weil es mir nicht (nur) um die astrologischen Aspekte des Themas geht.

Der Tod ist das einzige Ereignis, dass im Leben eines Jeden mit absoluter Wahrscheinlichkeit eintreten wird. Dennoch wird er (zumindest im modernen Westen) so stark kollektiv verdrängt wie wohl kaum etwas anderes. Meine Intention ist es, diesem Thema den Raum zurückzugeben, der ihm gebührt und vielleicht (hoffentlich) ihm den Schrecken zu nehmen, der damit verbunden ist.

Ich fange mal mit einem Thema an, das gerade an anderer Stelle wieder aktuell wurde, und mir den letzten Impuls gegeben hat, diesen Thread zu eröffnen: astrologische Todesprognose. Ich persönlich gehe nicht davon aus, dass eine exakte Prognose des Todeszeitpunktes aus dem Radix allein (mit welchen Techniken auch immer) überhaupt möglich ist.

Was die Gemüter aber gerne erhitzt ist die Frage, ob man diese Prognose überhaupt tätigen dürfte, wenn es denn möglich wäre. Andererseits ist man sich meistens recht schnell einig, dass das überhaupt gar nicht und unter keinen Umständen vertretbar wäre. Das halte ich für Foren oder auch kommerzielle Kurzberatungen durchaus für eine sinnvolle Richtlinie, weil man davon ausgehen muss, dass der Empfänger der Nachricht mit den psycho-emotionalen Folgen des Ganzen im Anschluss allein gelassen wird - sei es mangels Interesse oder auch mangels Ausbildung und Fähigkeiten, ihn da durch zu leiten.

Interessant finde ich an dieser Stelle aber, dass verschiedene spirituelle Schulen (mir konkret bekannt an der Stelle: einige Strömungen des tibetischen Buddhismus sowie die eher westlich orientierte Clairvision School) dazu auffordern, sich der eigenen Vergänglichkeit bewusst zu werden und sich mit dem Gedanken vertraut zu machen, dass das eigene Leben im Prinzip jeden Moment vorbei sein kann. Das geschieht nicht, um Angst zu erzeugen, sondern unter anderem, um sich auf die wichtigen Dinge im Leben zurück zu besinnen.

Ich meine auch, irgendwo gelesen zu haben, dass manche Meister es begrüßen würden, den exakten Todeszeitpunkt zu kennen, weil man sich dann optimal darauf vorbereiten könne. Was an dieser Stelle anzumerken ist: die genannten Strömungen gehen alle von einer - wie auch immer gearteten - Existenz nach dem Tod aus, weswegen in dieser Diskussion das Thema Wiedergeburt wahrscheinlich auch zwangsweise auftauchen wird. Der Glaube daran ist übrigens auch in den älteren Schriften des Christentums noch zu finden...

Liebe Grüße,
Björn

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Re: Der Tod - eines der letzten großen Tabus

Beitrag von Traumprinz » Sa 16. Apr 2016, 18:38

Hallo nochmal :)

Um das Thema nicht noch länger werden zu lassen, habe ich diesen Teil mal abgetrennt. Ich finde ihn in diesem Zusammenhang aber ebenfalls wichtig: Der Umgang mit Betroffenen, also sowohl den Sterbenden als auch den Angehörigen bzw. Hinterbliebenen, der im allgemeinen recht schräg verläuft, weil einem auch niemand beibringt, wie man mit der Situation halbwegs vernünftig umgehen kann.

Dazu eine kleine Anekdote von der Beerdigung meines Vaters: Er war vorher lange schwer krank und hat selbst auch oft zu erkennen gegeben, dass er eigentlich nicht mehr will. Auf selbiger Beerdigungsfeier kam eine sehr entfernte Bekannte auf mich zu und trötete mich voll, wie furchtbar das doch alles sei - ansonsten nichts: kein Beileid, keine guten Wünsche, nix. Ich wollte vor Ort keinen Eklat provozieren, aber mir lag auf der Zunge, ihr ins Gesicht zu sagen: "Für wen? Für ihn nicht, er war krank und mochte nicht mehr. Und für mich auch nicht, weil ich das so akzeptieren kann." Ich gebe aber zu, das Gesicht von der Trulla auf die Reaktion hätte ich schon gerne gesehen... :cool:

Liebe Grüße,
Björn

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Re: Der Tod - eines der letzten großen Tabus

Beitrag von GreenTara » So 17. Apr 2016, 13:11

Hallo zusammen, hallo Björn :)

wie es aussieht, ist es ein ziemliches Tabu, der Tod. :cool: Irgendwie beschäftigt er jeden mal mehr, mal weniger, aber darüber zu reden scheint nicht ganz leicht zu sein. Vielleicht braucht es aber auch Zeit, um eigene Gedanken zu ordnen und sie in lesbare Form zu bringen. Ich weiß ja sehr gut, wie schnell ich mit meiner Sichtweise in sehr große Fettnäpfchen trete. :roll: Ich weiß aber auch, dass sie manchmal bewirken kann, den Todesumständen etwas Tröstliches abzugewinnen. Wenn ein sehr alter Mensch stirbt und man weiß, dass er sich - mehr oder weniger deutlich ausgesprochen - nach dem Ende sehnt, dann kann ich darin nichts Furchtbares oder Schreckliches sehen. Meine Nachbarin ist jetzt fast 98 Jahre alt und sie hat mehr schlechte als gute Tage. Als sie vor 3 Jahren einen Unfall hatte und mit gebrochenem Bein auf der Straße lag, dachte sie bei sich, es könne jetzt auch gern zu Ende sein. Momentan ist sie dabei, Dinge, an denen ihr liegt, an Menschen zu verschenken, die diese Dinge schätzen. Sie hat mir auf ihrem Keyboard sogar schon das Lied vorgespielt, dass sie auf ihrer Trauerfeier gern gespielt haben möchte. Ich käme mir bissel schäbig vor, wenn ich ihr das alles ausreden wollte oder das Thema beiseite wischen würde. Sie hat schon damit zu tun, dass ihre Familie um das Thema einen großen Bogen macht.

Hallo Satri :)
Ich würde einfach nicht verantworten wollen, das jemand sein Leben durch denn Gedanken:
" Ich werde bald sterben!", kaputt macht. Für viele ist es, wie du schon sagst, ein ganz wundes Thema.
Das kann ich sehr gut nachvollziehen. Das gilt aber - ganz streng genommen - für viele Aussagen, die Menschen so von sich geben und die etwa bestimmte Werturteile beinhalten. Ich gehe davon aus, dass man eine solche Aussage ja nicht tätigen würde, wenn nicht jemand danach gefragt hätte. Derjenige hat dann zumindest schon einmal realisiert, dass er sterben wird. Es ist ja schon irgendwie erstaunlich, dass das Einzige, was im Leben absolut gewiss und sicher ist, so viel Angst und Abwehr auszulösen vermag.
Auf der anderen Seite würde es dem Betreffenden und den Hinterbliebenen die Möglichkeit zum Abschied geben, was ja eigentlich jede langsam fortschreitende, tödliche Krankheit mit sich bringt. Bei einem plötzlichen Tod hat man nicht die Möglichkeit die Dinge zu tun, die man gerne noch vor dem Tod getan hätte. :yes:
Ja, man könnte mit dem Wissen um den ungefähren Zeitpunkt noch vieles regeln, was allen Betroffenen am Herzen liegt. Das Bedürfnis nach diesem Wissen ist meiner Erfahrung nach ziemlich groß: Im Krankenhaus haben Angehörige sehr oft gefragt, wann es denn wohl zu Ende gehe. Aber auch für den Fall eines plötzlichen Todes kann man etwas tun: Nämlich "im Angesicht des Todes" zu leben und sich bewusst sein/werden, dass jede Stunde die letzte sein kann. Björn hat das ja sehr schön beschrieben:
Interessant finde ich an dieser Stelle aber, dass verschiedene spirituelle Schulen (mir konkret bekannt an der Stelle: einige Strömungen des tibetischen Buddhismus sowie die eher westlich orientierte Clairvision School) dazu auffordern, sich der eigenen Vergänglichkeit bewusst zu werden und sich mit dem Gedanken vertraut zu machen, dass das eigene Leben im Prinzip jeden Moment vorbei sein kann. Das geschieht nicht, um Angst zu erzeugen, sondern unter anderem, um sich auf die wichtigen Dinge im Leben zurück zu besinnen.
Schönen Sonntag und liebe Grüße
Rita
»Menschliche Reife ist das Richtige zu tun, selbst wenn es die Eltern empfohlen haben.«

Paul Watzlawick

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Re: Der Tod - eines der letzten großen Tabus

Beitrag von yinwaspice » Mi 20. Apr 2016, 10:37

Hallo zusammen, :)

ich habe ja bereits an anderer Stelle meinen Standpunkt zu diesem Thema dargestellt. Ich sehe es ähnlich wie

@traumprinz
astrologische Todesprognose. Ich persönlich gehe nicht davon aus, dass eine exakte Prognose des Todeszeitpunktes aus dem Radix allein (mit welchen Techniken auch immer) überhaupt möglich ist.
Ich vertrete eher den Standpunkt:
Was die Gemüter aber gerne erhitzt ist die Frage, ob man diese Prognose überhaupt tätigen dürfte, wenn es denn möglich wäre. Andererseits ist man sich meistens recht schnell einig, dass das überhaupt gar nicht und unter keinen Umständen vertretbar wäre.
Wer eine Todesprognose erstellt sollte, aus meiner Sicht, über ausreichend Fachkompetenz und Erfahrung verfügen, dass er sich sicher zutraut eine solche Prognose zu erstellen. Ich denke, dass Fehler hier unter Umständen fatale Konsequenzen haben können. Dem Berater sollte klar sein, welche Verantwortung er hat und er/sie sollte über die notwendige Kompetenz und Erfahrung verfügen, um dem Betroffenen auch nach einer Todesprognose weiterhelfen zu können.
Auch wäre es wichtig, sich klarzumachen, wo perfide Ego-Bedürfnisse des Beraters befriedigt werden wollen und wo es tatsächlich um selbstlose Hilfe für Menschen geht. Da hilft nur schonungslose Ehrlichkeit gegenüber sich selbst und eine klare Definition der eigenen Grenzen.

Ich denke, an dieser Stelle scheidet schon ein Grossteil der meisten Astrologen, mich eingeschlossen, aus.

Was ich eher vermute/befürchte ist, dass sich gerade jene Astrologen dazu verleiten lassen, Todesprognosen zu erstellen, die ein unterschwelliges/unbewusstes Machtbedürfnis befriedigen wollen. Dazu habe ich leider immer wieder Beispiele, die von Kartenlegern oder anderen Astrologen Sachen gesagt bekommen wie:" Sie werden eine Fehlgeburt erleiden! etc." Was die Menschen in Angst und Schrecken versetzt.
Ich meine auch, irgendwo gelesen zu haben, dass manche Meister es begrüßen würden, den exakten Todeszeitpunkt zu kennen, weil man sich dann optimal darauf vorbereiten könne. Was an dieser Stelle anzumerken ist: die genannten Strömungen gehen alle von einer - wie auch immer gearteten - Existenz nach dem Tod aus, weswegen in dieser Diskussion das Thema Wiedergeburt wahrscheinlich auch zwangsweise auftauchen wird. Der Glaube daran ist übrigens auch in den älteren Schriften des Christentums noch zu finden...


Wer würde das nicht begrüßen? :D

Aber dafür sind wir, meiner Meinung nach, nicht auf der Welt. Denn wir sollen leben, im vollen Wissen um unsere Vergänglichkeit und daher jeden Moment auskosten, denn es könnte der Letzte sein. Wenn ich weiss, wann ich sterbe, gehe ich womöglich mit der Zeit, die mir bleibt zu sorglos um.
Außerdem pfusche ich dann irgendwie wieder ins Schicksal, was meiner Meinung nach auch nicht vorgesehen ist. Ich glaube, dass bestimmte Ecken einfach blind bleiben, so lange wir auch rumsuchen im Horoskop, Kartenlegen etc. Wir werden es erst wissen, wenn wir es wissen.
Außerdem glaube ich auch, dass wir tief in uns drin das Wissen um unseren Tod haben und auch wissen, wann es zuende ist. Durch die ganze Schulmedizin und das Verdrängen des Todes sind diese Instinkte vermutlich so weit verschüttet, dass sie so große Ängste erzeugen.

Ich weiss es auch nicht! :crazy:
Dazu eine kleine Anekdote von der Beerdigung meines Vaters: Er war vorher lange schwer krank und hat selbst auch oft zu erkennen gegeben, dass er eigentlich nicht mehr will. Auf selbiger Beerdigungsfeier kam eine sehr entfernte Bekannte auf mich zu und trötete mich voll, wie furchtbar das doch alles sei - ansonsten nichts: kein Beileid, keine guten Wünsche, nix. Ich wollte vor Ort keinen Eklat provozieren, aber mir lag auf der Zunge, ihr ins Gesicht zu sagen: "Für wen? Für ihn nicht, er war krank und mochte nicht mehr. Und für mich auch nicht, weil ich das so akzeptieren kann." Ich gebe aber zu, das Gesicht von der Trulla auf die Reaktion hätte ich schon gerne gesehen..
Ach herrje, Beerdigungen sind für mich auch immer so ein Thema! Letztes Jahr hat es bei der Beerdigung meines Schwiegervaters auch beinahe einen Eklat gegeben, da eine Verwandte auch übertrieben stark ihr Mitgefühl ausdrücken wollte und nicht kapierte, dass mein Mann das alles nicht so schlimm fand und mit ihm rumdiskutierte. Wir waren ehrlich froh, denn für ihn war es kein Leben mehr, da er schwer krank war und er nun an einem Ort ist, wo es ihm besser geht! :)

LG
Yin
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Re: Der Tod - eines der letzten großen Tabus

Beitrag von Traumprinz » Mi 20. Apr 2016, 11:26

Hall Yin :)

Danke für deinen umfangreichen Beitrag zu diesem schwierigen Thema. :yes:
Wenn ich weiss, wann ich sterbe, gehe ich womöglich mit der Zeit, die mir bleibt zu sorglos um.
Nun gut, wir sind hier im Forum ja alle etwas speziell. :D Aber gerade in der westlichen Welt (und da nehme ich mich selbst gar nicht aus) wird das Wissen um den Tod ja komplett verdrängt - was dann zum gleichen Ergebnis führt: einen zu sorglosen Umgang mit der verbleibenden Zeit, weil sich alle im Grunde ihres Herzens für unsterblich halten. Und ich möchte wetten, wenn du dich in eine beliebige Fußgängerzone stellst und fragst, wer denn gerne den exakten Zeitpunkt seines Todes kennen würde, würdest du ziemliche Entrüstung ernten. Die meisten wollen nicht mal wissen, dass sie sterben, geschweige denn wann - behaupte ich einfach mal. ^^
Ach herrje, Beerdigungen sind für mich auch immer so ein Thema! Letztes Jahr hat es bei der Beerdigung meines Schwiegervaters auch beinahe einen Eklat gegeben, da eine Verwandte auch übertrieben stark ihr Mitgefühl ausdrücken wollte und nicht kapierte, dass mein Mann das alles nicht so schlimm fand und mit ihm rumdiskutierte.
Ich denke, da kann fast jeder ein Lied von singen, der nicht die allgemein verbreiteten Ansichten über den Tod teilt... :roll: Dass es auch anders gehen kann, habe ich vor ein paar Jahren erlebt. Der kirchliche Teil war zwar auch nicht so meins, aber durchaus in Ordnung; aber der sich anschließende Teil (vulgo "Trauerfeier") war in meinen Augen sehr gut gelungen. Da wurden Erinnerungen ausgetauscht, natürlich auch mit Wehmut verbunden, aber die gesamte Atmosphäre hatte etwas Würdiges, teilweise fast Heiteres. Es wird geholfen haben, dass die schar von Enkelkindern mit versammelt war.

Liebe Grüße,
Björn

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Re: Der Tod - eines der letzten großen Tabus

Beitrag von Satriana » Sa 23. Apr 2016, 11:03

Hallo Björn, Hallo Rita, Hallo Yin :)

nun schreibe ich schon zum vierten mal ein Antworte und hoffe das ich sie nun endlich abschicken kann. :yes:

Ich gebe euch vollkommen Recht und kann auch den Anlass zu diesem Thread absolut nachvollziehen.
Die Vorstellung von dem eigenen Tod oder der eines geliebten Menschen, wird gerne komplett aus dem eigenen Leben verbannt. Ich bin oft auf Widerstände und Ablenung gestoßen, als ich versucht habe über solche, sehr lebensnahen, für mich wichtigen Themen, zu sprechen. Es wird ja leider so einiges in unserer Zeit ausgeblendet.
Ich finde diese Aussage bringt es ziemlich gut auf den Punkt:
Traumprinz hat geschrieben: Aber gerade in der westlichen Welt (und da nehme ich mich selbst gar nicht aus) wird das Wissen um den Tod ja komplett verdrängt - was dann zum gleichen Ergebnis führt: einen zu sorglosen Umgang mit der verbleibenden Zeit, weil sich alle im Grunde ihres Herzens für unsterblich halten. Und ich möchte wetten, wenn du dich in eine beliebige Fußgängerzone stellst und fragst, wer denn gerne den exakten Zeitpunkt seines Todes kennen würde, würdest du ziemliche Entrüstung ernten. Die meisten wollen nicht mal wissen, dass sie sterben, geschweige denn wann - behaupte ich einfach mal.
Als ich mit 5 Jahren begriffen habe das meine Mum und ich irgendwann nicht mehr da sein werden ist für mich damals meine kleine Welt zusammen gebrochen. Ich musste sehr viel mit ihr darüber sprechen, habe ganz oft deswegen geweint. Sie erzählt mir heute noch, wie schwierig es für sie damals war passenden Antworten auf diese Fragen zu finden. Auch hatte sie dies in einer Art sogar so getroffen, wie sie es damals selbst noch nicht erlebt hat. Mittlerweile habe ich herausgefunden das es fast allen Kindern, in einem gewissen Alter, irgendwann so geht. Ich denke die Reaktion der Eltern, in dieser Zeit, ist auch sehr prägend für die Kinder. Man ist kaum im Leben angekommen und schon begreift man das alles vergänglich ist. Das ist schon eine ziemliche Tortur, die die kleine Seele da mitmachen muss.
GreenTara hat geschrieben: Meine Nachbarin ist jetzt fast 98 Jahre alt und sie hat mehr schlechte als gute Tage. Als sie vor 3 Jahren einen Unfall hatte und mit gebrochenem Bein auf der Straße lag, dachte sie bei sich, es könne jetzt auch gern zu Ende sein. Momentan ist sie dabei, Dinge, an denen ihr liegt, an Menschen zu verschenken, die diese Dinge schätzen. Sie hat mir auf ihrem Keyboard sogar schon das Lied vorgespielt, dass sie auf ihrer Trauerfeier gern gespielt haben möchte. Ich käme mir bissel schäbig vor, wenn ich ihr das alles ausreden wollte oder das Thema beiseite wischen würde. Sie hat schon damit zu tun, dass ihre Familie um das Thema einen großen Bogen macht.
Da bereitet sich jemand bewusst darauf vor diese Welt zu verlassen zu müssen, das kann ich verstehen.
Ich weiß in solchen Situationen selten was ich sagen soll. Wahrscheinlich muss man auch nichts sagen.
Es hört sich vielleicht grausam an, aber wenn Menschen sterben, vor allem "alte" Menschen, dann ist das doch vollkommen in Ordnung, das gehört zum Leben dazu, genau so wie es dazu gehört darüber traurig zu sein. Und es ist definitiv leichter gesagt, als gelebt. Ich müsste Lügen, wenn ich behaupten würde, dass ich auch bei der Beerdigung von meinem Opa nicht wie ein Wasserfall geweint hätte, allerdings war ich auch erleichtert das er nicht mehr leiden musste, weil er die letzten Monate, aufgrund von Lungenkrebs, es so gar nicht mehr schön hatte.
Allerdings ändert sich meine Meinung ganz stark bei Kindern und jungen Menschen. Wenn sie sterben empfinde ich es persönlich sehr tragisch. Was nicht heißt das ältere Menschen nicht das selbe Mitgefühl verdient hätten, aber damit kann man besser umgehen, weil der Mensch ja die Möglichkeit zum Leben hatte.

Ich weiß nicht was die vielen Menschen da draußen darüber denken, weil man sich mit kaum jemanden darüber wirklich unterhalten kann. In der Hinsicht fühle ich mich manchmal schon sehr alleine damit. Ich denke das man sich an das Leben und an die Menschen um einen herum zu sehr bindet und diese Loslössung davon schmerzt, umso mehr, desto weniger man sich vorher der Vergänglichkeit bewusst war. Auch wird es durch Schuldgefühle schlimmer, die Zeit nicht genutzt zu haben oder etwas falsches, der verstorbenen Person gegenüber, gemacht zu haben.
GreenTara hat geschrieben:Im Krankenhaus haben Angehörige sehr oft gefragt, wann es denn wohl zu Ende gehe. Aber auch für den Fall eines plötzlichen Todes kann man etwas tun: Nämlich "im Angesicht des Todes" zu leben und sich bewusst sein/werden, dass jede Stunde die letzte sein kann.
Der Tod ist, wie du schon sagst, jeden Tag präsent. Es kann jede Sekunde vorbei sein. Meine Erfahrung hat gezeigt das sich Menschen erst bei einer (tödlichen) Krankheit so richtig bewusst dafür entscheiden die letzten Tage/Wochen/Monate/Jahre gezielt zu verbringen, dafür beeinflussen wir uns alle zu sehr gegenseitig mit der Verdrängung dieser Thematik.

Wirklich kein einfaches Thema. Trotzdem schön das man sich wenigstens hier darüber unterhalten kann.

Liebe Grüße

Satriana
„Wer "nicht in die Welt passt", der ist immer nahe daran, sich selber zu finden. “
-Hermann Hesse-

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Re: Der Tod - eines der letzten großen Tabus

Beitrag von Traumprinz » So 24. Apr 2016, 10:13

Hallo Satri :)

Schön, dass du auch mitschreibst hier und danke Dir für Deinen sehr persönlichen Beitrag. :yes:
Wirklich kein einfaches Thema. Trotzdem schön das man sich wenigstens hier darüber unterhalten kann.
Freut mich, wenn dieser Thread tatsächlich diese Lücke ein wenig füllen kann. Damit wäre schon viel erreicht, denke ich.
Als ich mit 5 Jahren begriffen habe das meine Mum und ich irgendwann nicht mehr da sein werden ist für mich damals meine kleine Welt zusammen gebrochen. Ich musste sehr viel mit ihr darüber sprechen, habe ganz oft deswegen geweint. Sie erzählt mir heute noch, wie schwierig es für sie damals war passenden Antworten auf diese Fragen zu finden.
Ganz großes Kompliment an deine Mutter! Kinder sind eben noch nicht auf gesellschaftliche Themenverbote getrimmt und interessieren sich für alles, was im Leben wichtig erscheint. Als erwachsener Empfänger der Frage reagiert man da natürlich mit den eigenen Unsicherheiten, Abneigungen und (alten) Verletzungen. Nur leider machen sich die meisten dann nicht die Mühe, diese drängenden Fragen trotzdem halbwegs verständlich zu beantworten, sondern schicken das Kind einfach weg, was es diesem natürlich noch schwerer macht, ein solches Thema zu verarbeiten.
Ich denke die Reaktion der Eltern, in dieser Zeit, ist auch sehr prägend für die Kinder. Man ist kaum im Leben angekommen und schon begreift man das alles vergänglich ist. Das ist schon eine ziemliche Tortur, die die kleine Seele da mitmachen muss.
Ich persönlich denke, dass Kinder viel besser darin sind, Dinge zu verstehen und zu akzeptieren, als viele glauben. Die meisten Ängste und Probleme sind meiner Meinung nach "anerzogen", was jetzt aber nicht heißen soll, dass die Eltern Schuld sind: Erziehung ist ja eben nicht nur das, was ausgesprochen wird...
Ich hatte in der 5./6. Klasse eine sehr patente Lehrerin, die mit beiden Beinen im Leben stand und immer versucht hat, diese Fähigkeit weiter zu vermitteln. Sie erzählte mal, dass sie (auf Elternabenden oder ähnlichem) manchmal zu hören bekam, dass Eltern ihre Kinder nicht auf Beerdigungen mitnehmen, "weil sie nicht wollen, dass ihr Kind sie weinen sieht". Ihre Reaktion darauf war: "Aber warum denn nicht? Wie soll das Kind denn sonst lernen, mit seiner eigenen Trauer umzugehen?" Von der Sorte bräuchte es mehr. :yes:

Liebe Grüße,
Björn

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Wassergeist
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Re: Der Tod - eines der letzten großen Tabus

Beitrag von Wassergeist » Di 17. Mai 2016, 11:18

Hallo zusammen,

ich habe letzte Woche das Buch "Das Rad des Lebens" (eine Autobiographie) von Elisabeth Kübler-Ross gelesen. Sie war eine beeindruckende Frau, die sich als erste Wissenschaftlerin mit dem Thema Sterben und Tod beschäftigt hat. Sie hat zahlreiche todkranke Patienten, darunter auch Kinder, interviewt und beim Sterben begleitet. Aufgrund ihrer Beobachtungen und auch eigenen Erfahrungen kam sie zu den Ergebnissen, dass der Tod gar nicht existiert und man auf einer anderen Ebene weiterlebt und dort auch von bereits verstorbenen Verwandten und Freunden erwartet wird. Sie ist bei ihren Forschungen natürlich auf viel Vorurteile und Kritik gestossen, vor allem auch deshalb weil viele Arztkollegen ein Problem mit diesem Thema hatten und auch heute noch haben. Sie gilt als echte Pionierin auf diesem Gebiet, die sich ernsthaft mit diesem Tabuthema befasst hat und zahlreiche Bücher, Workshops und Vorträge im Laufe ihres Lebens gehalten hat. Bei Youtube findet man auch Interviews von ihr, außerdem ist ihr Geburtshoroskop in der Datenbank von Astroplus hinterlegt. Ich dachte, manche von euch würde es sicherlich interessieren, so geht es ja genau um die im Thread hier angesprochenen Themen. Jeder der sich für das Thema interessiert, findet in ihren Werken viele Antworten auf Fragen zum Thema Tod.

LG,
Wassergeist

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Re: Der Tod - eines der letzten großen Tabus

Beitrag von Chanda » Di 28. Jun 2016, 13:57

Hallo miteinander,

hier noch ein schöner Artikel zu dem Thema:
https://krautreporter.de/1423-der-tod-k ... schon-sein

Liebe Grüße
Chanda

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frajoscha
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Re: Der Tod - eines der letzten großen Tabus

Beitrag von frajoscha » Mi 3. Aug 2016, 20:56

Liebe Foris,

Geheimnisse und Tabus nachzuspüren ist ein Thema das mich anzieht. Schon in der Schule war Stenografie mein Lieblingsfach, weil man Schriftstücke auch offen liegen lassen konnt und wusste, dass kaum jemand sie lesen konnte.
In meiner Ausbildung zum Stundenastrologen sagte uns unser Lehrer sinngemäß: "Ihr müsst Fragen nach dem Tod nicht beantworten, aber Ihr müsst wissen wie es geht."
Nachdem ich die Lektionen darüber gelernt hatte, wollte ich es ausprobieren.
Wann immer ich gesprächsweise jemand über eine schwere Krankheit eines Angehörigen sprechen hörte und die Frage laut wurde wie lange wohl der Erkrankte noch zu leben hätte, hatte ich heimlich auf die Uhr geschaut und ein Fragehoroskop generiert. Die Ausarbeitungen dazu behielt ich stets für mich um zu lernen und zu vergleichen.

Im Freundeskreis starben 2015 innerhalb von 3 Monaten 2 liebe Freunde, die ebenfalls sehr krank waren. Da sie wußten, dass ich Astrologie betreibe kamen beide zu mir um zu wissen wann es soweit sein würde. Beide hatten unterschiedliche Krebsformen und litten schwer. Beide wollten wissen wann das Leiden endlich ein Ende haben würde. Todesfälle in eigener Familie gaben mir weitere Gelegenheit mich dem thema anzunehmen.

Mittlerweile kann ich Euch versichern, dass es möglich ist mit der Stundenastrologie allein ohne Radix eine zutreffende Antwort zu geben.

Dabei muss man sich dringend davor hüten einen Todestag zu nennen, denn die Fragenden werden an Euren Lippen hängen und sich erinnern.
Wer so etwas tut ist mehr an seinem Ego interessiert als am Schicksal des Kranken oder dessen Hinterbliebenen.

Man muss selbst prüfen ob die Seriosität der Fragenden und der Frage gewährleistet ist. Keinesfalls sollte man sich aufdrängen und ungefragt Statements abgeben.

Ein sensibler junger Mann, der etwas krank war, fragte mich wann er sterben würde. Ich sagte ihm -irgendwann schon einmal, aber jetzt nicht-.

Ich schreibe den folgenden Satz fett damit er sich einprägt: Wir durchlaufen während unseres Lebens sehr viele astrologische Todeskonstellationen hindurch, aber sterben werden wir nur einmal.

Daher hat auch der Tod für uns Astrologen etwas Tabuhaftes.
LG. Frajoscha


PS.: In meinen zweiten, noch nicht veröffentlichen Buch, habe ich Beispiele aufgezeigt wie man seriös mit diesen Thema umgeht.
Derzeit liegt das Manuskript noch beim Chiron Verlag, Herrn Stiehle zur Prüfung. Dort habe ich 53 Fragen aus dem Leben aus 11 verschiedenen Lebensbereichen dargestellt. Wenn es verlegt ist, werde ich Euch berichten, falls Interesse besteht.

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Der Tod - eines der letzten großen Tabus

Beitrag von vergnuegt » Fr 9. Mär 2018, 15:14

Hallo zusammen, :)

ich ziehe einfach mal frecherweise diesen Thread wieder nach oben ... :) vielleicht kommen ja noch andere Beiträge dazu, denn das Thema ist ja doch irgendwie zeitlos :D
Nun gut, wir sind hier im Forum ja alle etwas speziell. :D Aber gerade in der westlichen Welt (und da nehme ich mich selbst gar nicht aus) wird das Wissen um den Tod ja komplett verdrängt - was dann zum gleichen Ergebnis führt: einen zu sorglosen Umgang mit der verbleibenden Zeit, weil sich alle im Grunde ihres Herzens für unsterblich halten. Und ich möchte wetten, wenn du dich in eine beliebige Fußgängerzone stellst und fragst, wer denn gerne den exakten Zeitpunkt seines Todes kennen würde, würdest du ziemliche Entrüstung ernten. Die meisten wollen nicht mal wissen, dass sie sterben, geschweige denn wann - behaupte ich einfach mal.
Es ist eine gute Frage, wie wir damit umgehen - und ich habe hier auch keine Antwort darauf. Ich bin hier teilweise erstmal pragmatisch: da ich über 50 bin, also dass ich nochmal so alt werde wie bisher halte ich für recht unwahrscheinlich. Das war mir vor 15 oder 20 Jahren nicht ganz so klar - wobei mir schon bewußt war (und auch ist), dass es jeden Moment vorbei sein kann.

Einschneidend war für mich, dass als ich 23 war, eine gute Freundin auf ziemlich unangenehme Art und Weise umgebracht wurde. In so einem Fall ist man mehr oder weniger gezwungen, sich damit auseinanderzusetzen, außer man hat extreme Verdrängungsmechanismen. Damals habe ich interessanterweise nicht darüber nachgedacht, ob ich noch doppelt so lange, dreimal solange, ... lebe. Ich hab einfach gelebt - aber mit dem Bewußtsein, dass es immer vorbei sein kann.

Wer so eine Erfahrung nicht macht - oder sich nicht ihr stellt, der versucht natürlich, mit seiner Hilflosigkeit umzugehen. Es ist ja nicht Bösartigkeit, auf einer Trauerfeier permanent Unsinn zu quasseln, sondern Hilflosigkeit. Vielleicht ist es für manche Menschen auch ganz gut, sich dem nicht zu stellen - das kann ich nicht beurteilen. Jetzt leben wir und dann sollen wir das auch genießen - und wir kümmern uns dann um den Tod, wenn er kommt.

Was mir eher Sorgen macht sind Schmerzen oder Siechtum. Aber auch das ist etwas, was zum Leben gehört und was ich akzeptieren muss. Daran sieht man auch, dass der freie Wille eine Illusion ist.

Alles Liebe!
Stefan

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Der Tod - eines der letzten großen Tabus

Beitrag von Ferdinand » Fr 15. Jun 2018, 22:36

Dass der Tod verdraengt wird,
ist ein haeufig wiederholter Irrtum,
eine Plattituede.

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