(Stunden-)Astrologie als "Divination"

Zwischen Wissenschaft und Divination - was ist Astrologie?
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Astro28
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(Stunden-)Astrologie als "Divination"

Beitrag von Astro28 »

Liebe Foris,
liebe Mitlesende,

Stundenastrologie als Divination - was bedeutet das?

Divination bedeutet so viel "die Götter befragen". Es handelt sich hierbei um die Deutung von Omen oder Zeichen, die erscheinen, spontan oder bewusst herbeigeführt. Die Deutung erfolgt stets im Kontext der Erscheinung und ist nicht per se verallgemeinerbar, wenngleich sie sich auf gewisse Grundmuster beruft. Ähnlich der Bedeutung von Worten, die in unterschiedlichen Kontexten verschiedenes meinen können, jedoch in ihrer Zusammensetzung alle auf dem Prinzip der Buchstaben und Grammatik fußen.

Ich beziehe mich hier vorwiegend auf folgendes Buch von Geoffrey Cornelius: The Moment of Astrology.
The Moment of Astrology.png
The Moment of Astrology.png (180.01 KiB) 8355 mal betrachtet
Das Buch bezieht sich auf einen grundlegenden Diskurs zwischen der Astrologie in der Tradition von Ptolemäus und dem der Divination.

Bezogen auf die Stundenastrologie führt er aus, dass die Frage bereits eine Intervention und die Einladung zur Veränderung darstellt. In diesem Sinne kann das Stundenhoroskop auch als Grundlage für die nächsten Handlungsschritte ausgelegt werden.

Er verlässt den Rahmen der Subjekt-Objekt-Relation komplett und versteht die Astrologie als Divination, als Omen, das erscheint. Und in diesem Prozess des Erscheinens gehe ich als Person im Kontext auf, wie im Sinne von Heidegger: In der Welt sein. Und diese Erscheinung hat stets ihre Berechtigung, im Kontext der Zeit und des Raumes, innerhalb dessen es einem Individuum als bedeutsames Zeichen erscheint. Er sagt sogar, dass auch Horoskope funktionieren, die nicht auf ein objektives Ereignis beruhen, sondern die lediglich symbolisch gewonnen werden. Dazu zieht er das Horoskop heran, das als Beispielhoroskop von Astrologie-Gegnern in einem Artikel veröffentlicht wurde. Er nimmt dieses Horoskop als Grundlage und berechnet auf Basis der Sekundärprogressionen den weiteren Verlauf der Debatte zwischen den Astrologie-Gegnern und den Astrologen - obwohl dieses Horoskop tatsächlich irgendeines ist. Aber der Kontext seiner Verwendung macht es bedeutsam. Er verlässt damit die Ansicht von Ptolemäus, dass alles einen definitiven "Anfang" braucht. Die Astrologie ist von diesem Dogma sehr besessen, ist es doch auch im Sinne von Aristoteles und dem Stoizismus so gut anschlussfähig an die mechanische Naturwissenschaft und dem Bild, dass der Kosmos ein "Uhrenwerk" ist, dass deterministisch seinen Weg geht und entschlüsselt werden kann.

Diese Sicht ermöglicht auch, das Stundenhoroskop schon als Intervention zu begreifen. Es ist ein Abbild jenes Konstruktes, das ich zeitgleich in mir selbst geschaffen habe und sich mir offenbart. Daher kann ich selbst es auch transzendieren und ändern, übrigens ein Werk, dass die Alchemie zu vollbringen versucht hat. Stichwort: Talismane und Amulette.

  • Frage: Geht dies bereits in die Richtung des Konstruktivismus?


Schwierige Frage. Ich würde sagen: Ja und Nein.

Ja, da sich die Bedeutung eines Symbols aus dem konkreten, einmaligen Kontext herausschält und sich als Phänomen zeigt. Das Omen kann in seiner Bedeutung nur innerhalb des Gesamtzusammenhanges verstanden werden, und jemand, der nicht Teil davon ist, hat dazu auch keinen Zugang. Außer, er verschafft sich bewusst dazu Zugang.

Und nein, da der Konstruktivismus (in seiner Extremform) dazu neigt, die willkürlichen Konstruktionen des Individuums als wahr zu nehmen, unabhängig von "Gesetzen" oder "Regeln". Das Omen ist jedoch etwas, das sich selbst offenbart und nicht vom Individuum konstruiert wird. An dieser Stelle wird C.G.Jung mit seinem kollektiven Unbewussten und seinen Archetypen relevant, die einer allzu großen Willkürlichkeit Grenzen setzen. Siehe dazu auch den Vergleich, den ich bereits weiter oben getätigt habe: das Verhältnis zwischen Alphabet, Grammatik und Wortbedeutung.

Die Frage ist damit vermutlich noch nicht hinlänglich beantwortet. Vor allem, da der Konstruktivismus ein (nicht nur) sozialwissenschaftliches Konstrukt ist, ein Kind postmodernen Denkens. Astrologie selbst ist jedoch weder als modern noch als postmodern zu sehen (vgl. dazu Nicholas Campion & Liz Greene, "Astrologies - Plurality and Diversity"), sie gehört einer ganz anderen Strömung an bzw. ist sie stets, je nach Zeitgeist, anders gedeutet worden.

  • Frage: Meinst du damit, dass ich als Herr oder Frau meiner Konstruktionen diese selbstverständlich jederzeit verändern kann, sofern mir bewusst ist, dass es sich um eine Konstruktion handelt?


Hmm das Stundenhoroskop ist nicht nur eine Konstruktion meines Kopfes, es ist schon mehr, würde ich sagen. Das Transzendieren ist ein Prozess, der vor allem im Neuplatonismus angestrebt wurde, in der Überwindung der Planetensphären, um in die Fixsternsphäre aufzusteigen (vgl. Nicholas Campion, "The History of Western Astrology. The Ancient World", Vol. 1). Konkret beschrieben wird es jedoch nie.

Es ist aber denke ich wie folgt zu verstehen: Zeigt mir mein Stundenhoroskop, dass mein berufliches Vorhaben unter keinem guten Stern steht, so ist dies gerade eben nicht der Anlass, es bleiben zu lassen. Sondern der Aufruf, etwas zu tun, ähnlich, wie wenn man ein Orakel konsultiert: die Frage stellt bereits die Intervention dar. Ab nun kann ich handeln, wobei in der Mythologie sich die Orakelsprüche paradoxerweise immer dann erfüllten, wenn man versuchte, sie zu verhindern. Aber das ist ein anderes Kapitel :)

Angenommen, aus dem Chart geht hervor, dass Mars/Saturn mein Vorhaben blockiert. Im Radix stehen sie vielleicht in Haus 2, finanzielle Hürden, im Stundenhoroskop hat der Mond evtl. ein applikatives Quadrat auf Saturn, Herrscher von Haus 2. Da der Astrologe auch Magier oder Alchemist war, hat er daraufhin versucht, die Kräfte von Venus und Jupiter zu stärken. Dazu hat er an einem sogenannten "auspicious moment" einen Talisman aus Kupfer und Zink produziert, an einem Freitag, zur Venusstunde, mit der Venus in Stier, Waage, oder Fische, frei von den Übeltätern, nicht rückläufig und nicht verbrannt, am besten am AC oder MC. So wurde dann versucht, die negativen Einflüsse abzuwenden.

Dabei muss jedoch bedacht werden, dass diese "Intervention" auf Grund der strikten Anlehnung an die kosmische Ordnung als weiße Magie zu werten ist, da man sich an den Rahmen des Möglichen versucht zu halten. Kritisch wird es dann, wenn gegen die kosmische Ordnung bzw. gegen die kosmische Zustimmung ein solches Werk vollbracht wird, um sich zu bereichern - dann ist es schwarze Magie.

Das alchimistische Werk ist jedoch nicht nur ein physischer Prozess, sondern ähnlich dem Yoga aus Indien ein Bewusstseinsprozess. Denn durch die bewusste Herstellung des Talismans, durch die bewusste Auseinandersetzung mit der Thematik und dem entsprechenden physischen "Gleichnis", dem Ritual, soll eine Veränderung durch die Ebenen hindurch bewirkt werden.

Liebe Grüße,

Astro26

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(Stunden-)Astrologie als "Divination"

Beitrag von GreenTara »

Hallo zusammen :)
hallo Astro :)

zunächst einmal: Danke für die Anregung, ein neues Unterforum aufzumachen, Astro. :spitze: Es wäre nämlich schade, wenn unsere Unterhaltung in den Tiefen der PNs verschwünde. Soll heißen, die Einwände und Fragen in deinem Beitrag stammen von mir.

Mich würde sehr freuen, wenn sich weitere Foris oder Mitlesende in diesen und/oder andere Threads einklinken. Geht es doch auch um diese Fragen: Was ist das eigentlich, diese Astrologie? Was tun wir - mehr oder weniger bewusst - wenn wir (Stunden-)Horoskope erstellen und deuten? Wie "funktioniert" ein Horary?

Anregende Diskussionen wünscht uns allen
Rita
»Nur die Weisen sind im Besitz von Ideen. Die meisten Menschen sind von Ideen besessen.«

Samuel Coleridge

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(Stunden-)Astrologie als "Divination"

Beitrag von vergnuegt »

Hallo, Astro26 :)
hallo, Rita :)
hallo zusammen :)

erstmal: vielen Dank für die vielen Anregungen!

Prognosemethoden - in welcher Form auch immer - haben Menschen zu allen Zeiten gereizt: die meisten möchten wissen, was ihre Zukunft bringt. Egal ob durch moderne Methoden (Zeitungshoroskope, Computerausdrucke, eigene Berechnungen, Berechnungen durch einen Astrologen, ...) oder durch Stundenhoroskope. Die Astrologen in der Renaissance haben damit ihr Geld verdient - und nicht mit Geburtshoroskopen, die waren ja nur Königen, Adeligen und Reichen vorbehalten.

Ich persönlich - jetzt mal von der GZK abgesehen - habe, seit ich mich mit Astrologie beschäftige, eine große Scheu, mich mit Prognoseverfahren zu befassen - ob als Stundenastrologie, Transite, Direktionen, usw.

Das hat zwei Gründe:

- wenn ich mich (und wahrscheinlich jeder andere auch) mit meiner Zukunft in Form von Prognoseverfahren befasse, dann "glaube" ich auch, was ich errechne. Und Gedanken sind absolut mächtig, sie etablieren unsere "Wirklichkeit", dem können wir uns nicht enziehen. Wenn ich weiß, dass morgen ein Saturn-Mars-Quadrat kommt, dann werde ich mich implizit darauf einrichten, dagegen können wir uns gar nicht wehren - weil wir glauben zu wissen (aus allen Astrologiebüchern) dass saturn-Mars-Quadrate ganz böse sind. :)

- Ich möchte versuchen, so gut es geht, im Jetzt zu leben, denn das ist unsere einzige "Realität". Die Vergangenheit ist vorbei, die können wir nicht mehr ändern. Die Zukunft ist noch nicht da, die können wir auch nicht verändern, im besten Fall konkrete Planungen machen (aber ob die sich dann erfüllen, ist eine andere Frage - Stichwort: "Die Rente ist sicher!"). Das wäre die "Realität" einer anderen philosophischen Richtung, dem Advaita.
Es ist aber denke ich wie folgt zu verstehen: Zeigt mir mein Stundenhoroskop, dass mein berufliches Vorhaben unter keinem guten Stern steht, so ist dies gerade eben nicht der Anlass, es bleiben zu lassen. Sondern der Aufruf, etwas zu tun,
Das hängt jetzt davon ab, wie wichtig oder unwichtig mir das ist :) Wenn mir ein Prognoseverfahren, dem ich ja vertraue (sonst würde ich es nicht anwenden) sagt, "Das hat aber einen nicht so guten Ausgang!", dann würde ich - nach dieser Aussage - dagegen ankämpfen.

Kampf ist aber anstrengend und führt zu nichts - vor allem, wenn wir den Kampf gegen das Leben führen. Und das machen Millionen von Menschen jeden Tag, die sagen: "Ich will das der Augenblick, so wie er ist, anders ist als er ist!" Das führt zu Leid, zu Unglück und zu Unzufriedenheit.
Denn durch die bewusste Herstellung des Talismans, durch die bewusste Auseinandersetzung mit der Thematik und dem entsprechenden physischen "Gleichnis", dem Ritual, soll eine Veränderung durch die Ebenen hindurch bewirkt werden.
Und das ist die alte Frage, warum wir das, was wir "Schicksal" nennen, nicht annehmen können. Wenn wir eine Krebsdiagnose haben, wonach wir nur noch zwei Monate leben - das kann ich nicht verändern. Es ist gleichgültig, ob ich einen Talisman oder ein Stundenhoroskop habe. Wir sind gewissen "Gesetzen" des Lebens und Sterbens einfach unterworfen und müssen uns fügen - ob wir das wollen oder nicht. Und wir können in jedem Augenblick tot umfallen, egal, wie alt wir sind, das ist keine Sicherheit. :D Anstrengungen helfen hier nicht weiter. Jedoch kann der Glaube - und da sind wir ja wieder bei den Gedanken :) - Berge versetzen, jetzt vielleicht nicht bei einer Todesprognose kurz vor dem Ende des Lebens aber bei anderen Dingen. Aber dann bin ich davon überzeugt, dass mein Talisman mich "rettet". :)
Aber ich glaube, wer sich mit Astrologie auseinandersetzt, muss sich im Klaren darüber sein, welche Weltanschauung er damit bedient. Sie nur als rechnerisches, empirisches Phänomen zu verstehen, das säkular von jeglicher Weltanschauung betrieben werden kann, öffnet allerlei Humbug Tür und Tor.
Allerdings. Und (das kommt ja auch manchmal hier bei meinen Beiträgen durch :D ) manchmal frage ich mich: tolle Methoden, sicherlich extrem geschult, vom astrologischen Wissen mir tausendfach überlegen - aber Methoden (Berechnungen) werden einfach angewandt, weil man sie anwendet und man sie ja auch so schön gelernt und erprobt hat über Jahrzehnte. Ich versuche einfach, immer wieder alles in Frage zu stellen und mich immer wieder zu fragen: "Hast Du das verstanden, was Du da rechnest?" "Macht es einen Sinn?" "Warum glaubst Du daran?" ...?

Schönen Ostermontag!

Stefan

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Astro28
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(Stunden-)Astrologie als "Divination"

Beitrag von Astro28 »

Hallo Stefan :)
Das hängt jetzt davon ab, wie wichtig oder unwichtig mir das ist :) Wenn mir ein Prognoseverfahren, dem ich ja vertraue (sonst würde ich es nicht anwenden) sagt, "Das hat aber einen nicht so guten Ausgang!", dann würde ich - nach dieser Aussage - dagegen ankämpfen.

Kampf ist aber anstrengend und führt zu nichts - vor allem, wenn wir den Kampf gegen das Leben führen. Und das machen Millionen von Menschen jeden Tag, die sagen: "Ich will das der Augenblick, so wie er ist, anders ist als er ist!" Das führt zu Leid, zu Unglück und zu Unzufriedenheit.
Ich würde es nicht immer als Kampf bezeichnen. Denn das würde bedeuten, dass es ein festes Schicksal gibt, dem ich mich zu fügen habe und alles andere ist vergebens oder zu großer Aufwand. Das wäre sehr stoisch gedacht, finde ich.

Man kann es sich auch anders denken. Möchte ich z.B. von einem ganz bestimmten Menschen etwas, weil ich mich in ihn verliebt habe, sage aber kein Wort zu ihm, wird sich nichts ändern. Sagt mir dann das Stundenhoroskop auch, dass kein Kontakt zustande kommt, sollte ich vielleicht mal versuchen, die Person aktiv anzusprechen - anstatt abzuwarten :cool2: Dann ändere ich aktiv die Rahmenbedingungen. Und ich kann und darf ja entscheiden, was ich tun will. Um das geht es ja in erster Linie, sich vom Stundenhoroskop nicht determinieren zu lassen.
Und das ist die alte Frage, warum wir das, was wir "Schicksal" nennen, nicht annehmen können.
Manchmal ist es sicher sinnvoller, ein "Schicksal" anzunehmen. Ich würde aber nicht sagen, dass es ein vorbestimmtes Schicksal gibt, das auf uns wartet, um über uns hereinzubrechen.
Wir sind gewissen "Gesetzen" des Lebens und Sterbens einfach unterworfen und müssen uns fügen - ob wir das wollen oder nicht
Das ist schon klar, manchmal ist es auch zu spät. Götter sind wir keine :king: Aber erkenne ich die Zeichen früh genug, kann ich auch im Falle von Krebs noch gewaltig intervenieren. Allmächtig sind wir aber natürlich nicht.
Aber dann bin ich davon überzeugt, dass mein Talisman mich "rettet".
Der Talisman "wirkt" auch nicht in dem Sinne, dass er "Strahlen" auswirft oder so ähnlich. Die reine Wirkung eines Talismans lässt sich eben nicht "berechnen", indem ich Glaube, Naturkräfte, Placebo usw. als Fehlervarianz abziehe und den Rest als "wahre Wirkung" feststellen kann. Es ist ein Bewusstseinsprozess, der in und über die Materie transformiert wird. So habe ich es verstanden, und die Ebenen, die hier "wirken", sind ganz andere.
aber Methoden (Berechnungen) werden einfach angewandt, weil man sie anwendet und man sie ja auch so schön gelernt und erprobt hat über Jahrzehnte.
Nicht nur Prognosemethoden :D

Liebe Grüße,

Astro26

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Beitrag von vergnuegt »

Hallo Astro26 :)
Astro26 hat geschrieben:
Mo 2. Apr 2018, 19:56
Ich würde es nicht immer als Kampf bezeichnen. Denn das würde bedeuten, dass es ein festes Schicksal gibt, dem ich mich zu fügen habe und alles andere ist vergebens oder zu großer Aufwand. Das wäre sehr stoisch gedacht, finde ich.
Das hängt davon ab, wie man Kampf definiert :) Wenn ich will, das Dinge oder Menschen (oder im schlimmsten Falle: ich) anders sein sollen als sie sind, dann kämpfe ich dagegen. Ob das mein Mann oder meine Frau ist, die Verhaltensweisen hat, die mir nicht gefallen, wenn es Autofahrer sind, die sich falsch verhalten, meine Arbeitskollegen, die nicht das tun, was ich denke, das sie sollten, ... das ist ja auch das Problem, dass wir gelernt haben, permanent zu denken - und diesen ganzen, zu 98% sinnlosen Gedanken Beachtung zu schenken. Wer schon mal seine Gedanken beobachtet hat, weiss das. Gedanken kommen, sie gehen, wir nehmen einen Gedanken auf, denken ihn ein Stück weiter, dann kommt ein neuer Eindruck und sofort ist der alte Gedanke weg, ... Im Prinzip kämpfen wir vor allem mit uns selbst.
Astro26 hat geschrieben:
Mo 2. Apr 2018, 19:56
Man kann es sich auch anders denken. Möchte ich z.B. von einem ganz bestimmten Menschen etwas, weil ich mich in ihn verliebt habe, sage aber kein Wort zu ihm, wird sich nichts ändern. Sagt mir dann das Stundenhoroskop auch, dass kein Kontakt zustande kommt, sollte ich vielleicht mal versuchen, die Person aktiv anzusprechen - anstatt abzuwarten :cool2: Dann ändere ich aktiv die Rahmenbedingungen. Und ich kann und darf ja entscheiden, was ich tun will. Um das geht es ja in erster Linie, sich vom Stundenhoroskop nicht determinieren zu lassen.
Das ist ja die spannende Frage: kann man sich wirklich von einer Technik, von der man zutiefst überzeugt ist (sonst würden wir sie ja nicht anwenden) so lösen, dass wir sagen "Sch*** auf das Stundenhoroskop, ich werde sie oder ihn mal ansprechen!" Dann wäre es doch sinnvoller, sie oder ihn ohne Stundenhoroskop oder andere Berechnung anzusprechen?
Astro26 hat geschrieben:
Mo 2. Apr 2018, 19:56
Der Talisman "wirkt" auch nicht in dem Sinne, dass er "Strahlen" auswirft oder so ähnlich. Die reine Wirkung eines Talismans lässt sich eben nicht "berechnen", indem ich Glaube, Naturkräfte, Placebo usw. als Fehlervarianz abziehe und den Rest als "wahre Wirkung" feststellen kann. Es ist ein Bewusstseinsprozess, der in und über die Materie transformiert wird. So habe ich es verstanden, und die Ebenen, die hier "wirken", sind ganz andere.
Das sehe ich auch so. Aber die meisten Menschen möchten nichts "glauben" und die meisten Menschen - da bin ich pessimistisch - sind nicht gerade als bewußt zu bezeichnen. Bewußtsein entwickelt sich, wenn man will :) - und das ist nicht zu verwechseln mit "Gutmenschentum". Wenn ich aus meinen Verhalten eine Ideologie wie Selbstoptimierung, "gesundes", vegetarisches, veganes, ... Essen, usw. mache (indem ich sage: das ist gut und alle müssen das auch so machen, zum Beispiel fällt mir auch noch ein Buch/Sendung ein: "111 Dinge, die ein Hesse gemacht haben muss"), dann ist das nur Mist. Und das durchzieht Politik und Gesellschaft. Man darf nur ganz bestimmte Dinge denken oder sagen, ...

Vielleicht kann man es auch einfacher ausdrücken: immer wenn ich den Talisman ansehe (oder irgendetwas, was ich gedanklich verankert habe) komme ich hierher in den Moment zurück: ich glaube, dass der Talisman mich schützen wird. Dadurch werde ich bewußter für den Augenblick und hänge nicht permanent mit den Gedanken ganz weit weg von mir. Und je ehrlicher und spontaner ich das mache, desto eher wird es funktionieren. Und wenn es nicht funktionieren sollte, habe ich dadurch deutlich mehr Lebensqualität.

Liebe Grüße,

Stefan

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(Stunden-)Astrologie als "Divination"

Beitrag von Traumprinz »

Hallo zusammen :)

Huhu Astro, spannendes Thema hast du da aufgegriffen. :yes: Ich hoffe, dass ich mich auch noch irgendwann in die Diskussion einklinken kann, aber zur Zeit fällt mir zum Thema leider nichts ein... Bin jedoch sehr gespannt, wie sich das Unterforum entwickeln wird. :)

Hallo Stefan :)
vergnuegt hat geschrieben:
Di 3. Apr 2018, 08:02
Das ist ja die spannende Frage: kann man sich wirklich von einer Technik, von der man zutiefst überzeugt ist (sonst würden wir sie ja nicht anwenden) so lösen, dass wir sagen "Sch*** auf das Stundenhoroskop, ich werde sie oder ihn mal ansprechen!" Dann wäre es doch sinnvoller, sie oder ihn ohne Stundenhoroskop oder andere Berechnung anzusprechen?
Davon, dass du die Behauptung zweimal in den Raum stellst, wird sie nicht wahrer. ;) :cool2: Ich kann eine Methode anwenden, weil ich einfach neugierig interessiert bin, ich kann sie sogar anwenden mit der Absicht sie zu widerlegen. Damit ist schon mal die Prämisse falsch...

Natürlich muss man sich immer im Klaren sein, dass es den Effekt der Selbsterfüllenden Prophezeiung gibt - ganz besonders dann, wenn man nicht für sich selbst deutet, sondern für potentiell unbedarfte Dritte. Dennoch denke ich nicht, dass man deine Behauptung so absolut stehen lassen kann.

Liebe Grüße,
Björn
„Oft fällt das Denken schwer, indes
das Schreiben geht auch ohne es!“
Wilhelm Busch

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(Stunden-)Astrologie als "Divination"

Beitrag von GreenTara »

Hallo allerseits :)
Hallo Astro :)

ich hoffe, es ist okay, wenn ich bissel "herumfiesele", weil mir zwar deutlich geworden ist - hoffe ich zumindest - worauf es hinausläuft, ich jedoch einige Abschnitte nur schwer verstehe und daher "nachhake". Wenn nicht, dann einfach nicht kommentieren. :yes:
Astro26 hat geschrieben:
Mo 2. Apr 2018, 13:58
Er verlässt den Rahmen der Subjekt-Objekt-Relation komplett und versteht die Astrologie als Divination, als Omen, das erscheint. Und in diesem Prozess des Erscheinens gehe ich als Person im Kontext auf, wie im Sinne von Heidegger: In der Welt sein.
Um ehrlich zu sein: Ich verstehe nur Bahnhof. Kann man das verständlicher formulieren?
Und diese Erscheinung hat stets ihre Berechtigung, im Kontext der Zeit und des Raumes, innerhalb dessen es einem Individuum als bedeutsames Zeichen erscheint.
:yes: Ohne Individuum, dem die Erscheinung begegnet, entsteht keine Bedeutsamkeit.
Er sagt sogar, dass auch Horoskope funktionieren, die nicht auf ein objektives Ereignis beruhen, sondern die lediglich symbolisch gewonnen werden. Dazu zieht er das Horoskop heran, das als Beispielhoroskop von Astrologie-Gegnern in einem Artikel veröffentlicht wurde. Er nimmt dieses Horoskop als Grundlage und berechnet auf Basis der Sekundärprogressionen den weiteren Verlauf der Debatte zwischen den Astrologie-Gegnern und den Astrologen - obwohl dieses Horoskop tatsächlich irgendeines ist. Aber der Kontext seiner Verwendung macht es bedeutsam.
Anders geht es doch kaum: Wenn ich nur eine Zeichnung sehe und den Kontext nicht kenne, kann ich dieses Horoskop gar nicht halbwegs adäquat auslegen bzw. entschlüsseln. Das bedeutet: Es braucht mindestens einen Bezugspunkt, wie auch immer der aussieht.
Frage: Geht dies bereits in die Richtung des Konstruktivismus?
Schwierige Frage. Ich würde sagen: Ja und Nein.

Und nein, da der Konstruktivismus (in seiner Extremform) dazu neigt, die willkürlichen Konstruktionen des Individuums als wahr zu nehmen, unabhängig von "Gesetzen" oder "Regeln". [...]Das Omen ist jedoch etwas, das sich selbst offenbart und nicht vom Individuum konstruiert wird.
Hm. Nichts, was einem begegnet, lässt sich vom Begegnenden trennen. Vielleicht irritiert mich deshalb der oben stehende Satz: "Er verlässt den Rahmen der Subjekt-Objekt-Relation komplett...".
Frage: Meinst du damit, dass ich als Herr oder Frau meiner Konstruktionen diese selbstverständlich jederzeit verändern kann, sofern mir bewusst ist, dass es sich um eine Konstruktion handelt?

Hmm das Stundenhoroskop ist nicht nur eine Konstruktion meines Kopfes, es ist schon mehr, würde ich sagen. Das Transzendieren ist ein Prozess, der vor allem im Neuplatonismus angestrebt wurde, in der Überwindung der Planetensphären, um in die Fixsternsphäre aufzusteigen). Konkret beschrieben wird es jedoch nie.
Nicht bös' gemeint: Da bekomme ich Kopfweh, weil ich es nicht verstehe, was damit gemeint sein soll. Wo nichts Konkretes ist, kann es auch nicht konkret beschrieben werden. Was ich diesen Sätzen entnehmen kann: Es gibt Grenzen, die überwunden oder überschritten werden können, sei es im Denken, im Empfinden, im Wahrnehmen. Diese "Überschreitungen" lassen sich allerdings nur schwer in Worte fassen.
Denn durch die bewusste Herstellung des Talismans, durch die bewusste Auseinandersetzung mit der Thematik und dem entsprechenden physischen "Gleichnis", dem Ritual, soll eine Veränderung durch die Ebenen hindurch bewirkt werden.
Das bedeutet, um in unserem Beispiel des Stundenhoroskops zu bleiben, es wäre sinnvoll, der Fragende würde dieses Ritual durchführen. Es sei denn, sowohl Fragender als auch der "Magier" betrachteten sich als Einheit, so dass der Fragende von der bewussten Auseinandersetzung des Magiers (Schamanen, Astrologen etc.) "profitiert"?

Liebe Grüße
Rita
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Samuel Coleridge

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(Stunden-)Astrologie als "Divination"

Beitrag von Astro28 »

Hallo Zusammen :)

@Stefan
Ob das mein Mann oder meine Frau ist, die Verhaltensweisen hat, die mir nicht gefallen, wenn es Autofahrer sind, die sich falsch verhalten, meine Arbeitskollegen, die nicht das tun, was ich denke, das sie sollten,
Dieses Problem habe ich dann, wenn ich strikt in Subjekt-Objekt-Relationen denke. Aber ich hoffe, es wird bald klarer, was ich meine.
Das ist ja die spannende Frage: kann man sich wirklich von einer Technik, von der man zutiefst überzeugt ist (sonst würden wir sie ja nicht anwenden) so lösen, dass wir sagen "Sch*** auf das Stundenhoroskop, ich werde sie oder ihn mal ansprechen!" Dann wäre es doch sinnvoller, sie oder ihn ohne Stundenhoroskop oder andere Berechnung anzusprechen?
Naja, das Stundenhoroskop gibt mir immer eine Antwort auf den Status Quo - wenn sich nichts ändert. Außerdem soll oder muss ich ja nicht das Stundenhoroskop ändern, da es mich ja nicht beeinflusst. Das Stundenhoroskop ist kein externer Einflussfaktor.

@Traumprinz
Huhu Astro, spannendes Thema hast du da aufgegriffen. :yes: Ich hoffe, dass ich mich auch noch irgendwann in die Diskussion einklinken kann, aber zur Zeit fällt mir zum Thema leider nichts ein... Bin jedoch sehr gespannt, wie sich das Unterforum entwickeln wird. :)
Okay :) Ist ja auch ein seltenes Thema, bzw. wird es zumindest im deutschsprachigen Raum nicht breit diskutiert.

@GreenTara
ich hoffe, es ist okay, wenn ich bissel "herumfiesele", weil mir zwar deutlich geworden ist - hoffe ich zumindest - worauf es hinausläuft, ich jedoch einige Abschnitte nur schwer verstehe und daher "nachhake". Wenn nicht, dann einfach nicht kommentieren.
Kein Problem :kopfueb:
Er verlässt den Rahmen der Subjekt-Objekt-Relation komplett und versteht die Astrologie als Divination, als Omen, das erscheint. Und in diesem Prozess des Erscheinens gehe ich als Person im Kontext auf, wie im Sinne von Heidegger: In der Welt sein.

Um ehrlich zu sein: Ich verstehe nur Bahnhof. Kann man das verständlicher formulieren?
Als Beispiele könnte man anführen:

Ich gehe im Wald => Ich walde.
Ich bin in der Zeit => Ich zeitige mich.
Ich bin in der Wohnung => Ich wohne.

An der Wortschöpfung "Ich walde" kann man sehr gut sehen, dass Heidegger teilweise eigene Wendungen "erfinden" musste, damit sein Grundgedanke klar wird.

Das ist mit der Auflösung der Subjekt-Objekt-Relation gemeint. Ich (Subjekt) bin nicht mehr in der Welt (Objekt), sondern "ich bin Welt".
Anders geht es doch kaum: Wenn ich nur eine Zeichnung sehe und den Kontext nicht kenne, kann ich dieses Horoskop gar nicht halbwegs adäquat auslegen bzw. entschlüsseln. Das bedeutet: Es braucht mindestens einen Bezugspunkt, wie auch immer der aussieht.
Genau :spitze: Empirische Wissenschaft versucht jedoch meist, die kontextunabhängige Wahrheit zu finden. Wissen soll generalisierbar sein. Diese Verallgemeinerbarkeit bzw. das Streben nach ihr ist ein wesentliches Charakteristikum des abendländischen Denkens, das stets versucht, die letzte und allgemeinste Wahrheit zu finden.

Der Verstehensprozess einer Horoskopinterpretation schließt jedoch stets den Astrologen und seinen bzw. den gemeinsamen Kontext mit ein. Ohne diese Faktoren wird ein Horoskop fast bedeutungslos, da es im wahrsten Sinne des Wortes "in der Luft hängt".

Als Konzept gegen das abstrakte, allgemeine Wissen, kann auch die "Metis" oder die "Weisheit" angeführt werden (vgl. Willis & Curry, Astrology, Science and Culture: Pulling down the Moon). Das Charakteristikum der Metis ist es gerade, dass sie den Kontext berücksichtigt und eine kluge Entscheidung treffen kann, die im Augenblick sinnvoll ist. Daher muss jedes Charts aufs Neue interpretiert werden, da der jeweils besondere Kontext der Erscheinung berücksichtigt werden muss.
Hmm das Stundenhoroskop ist nicht nur eine Konstruktion meines Kopfes, es ist schon mehr, würde ich sagen. Das Transzendieren ist ein Prozess, der vor allem im Neuplatonismus angestrebt wurde, in der Überwindung der Planetensphären, um in die Fixsternsphäre aufzusteigen). Konkret beschrieben wird es jedoch nie.

Nicht bös' gemeint: Da bekomme ich Kopfweh, weil ich es nicht verstehe, was damit gemeint sein soll. Wo nichts Konkretes ist, kann es auch nicht konkret beschrieben werden. Was ich diesen Sätzen entnehmen kann: Es gibt Grenzen, die überwunden oder überschritten werden können, sei es im Denken, im Empfinden, im Wahrnehmen. Diese "Überschreitungen" lassen sich allerdings nur schwer in Worte fassen.
Es heißt, dass wenn der Mensch nicht mehr den Energien von Mond bis Saturn unterworfen ist, kommt er zurück in die reine Fixsternsphäre, in das Primum Coelum. Dies wird erreicht durch Bewusstseinserweiterung, Rituale usw. Es geht eigentlich um das Abwerfen der irdischen Fesseln, der irdischen Gesetze."Der Weise beherrscht seine Sterne". Wobei es weniger ums Beherrschen geht, als um das Auflösen.
Das bedeutet, um in unserem Beispiel des Stundenhoroskops zu bleiben, es wäre sinnvoll, der Fragende würde dieses Ritual durchführen. Es sei denn, sowohl Fragender als auch der "Magier" betrachteten sich als Einheit, so dass der Fragende von der bewussten Auseinandersetzung des Magiers (Schamanen, Astrologen etc.) "profitiert"?
Ob es sinnvoll ist, das Ritual durchzuführen, müssen der Fragende und der Astrologe entscheiden. Dies ergibt sich aus dem Kontext.

Mit "Einheit" von Astrologe und Klient meine ich, dass sie nicht verschmelzen, aber einen gemeinsamen Zusammenhang bilden. Es gibt ja die alte Deutungsregel, dass wenn der Saturn in Haus 7 steht, der Astrologe das Chart nicht deuten soll oder wenn, dann sehr vorsichtig. Darin drückt sich genau dieser Umstand aus: Der Fragende ist das 1. Haus, der Astrologe das 7. Haus. Beide sitzen mit diesem Chart zwangsläufig in einem Boot, da die Beratungssituation und das resultierende Chart aus der Begegnung der beiden entstanden sind.

Liebe Grüße,

Astro26

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(Stunden-)Astrologie als "Divination"

Beitrag von GreenTara »

Hallo Zusammen :)
Hallo Astro :)

danke für deine Geduld angesichts meiner Fragezeichen und Fragen. :)
Astro26 hat geschrieben:
Di 3. Apr 2018, 20:25
Er verlässt den Rahmen der Subjekt-Objekt-Relation komplett und versteht die Astrologie als Divination, als Omen, das erscheint. Und in diesem Prozess des Erscheinens gehe ich als Person im Kontext auf, wie im Sinne von Heidegger: In der Welt sein.
Rita hat geschrieben:Um ehrlich zu sein: Ich verstehe nur Bahnhof. Kann man das verständlicher formulieren?
Ich gehe im Wald => Ich walde.
Ich bin in der Zeit => Ich zeitige mich.
Ich bin in der Wohnung => Ich wohne.

An der Wortschöpfung "Ich walde" kann man sehr gut sehen, dass Heidegger teilweise eigene Wendungen "erfinden" musste, damit sein Grundgedanke klar wird.
Jetzt ist es deutlich. :yes: Thx. Außerdem erheitert mich "Ich walde" - weil es im Gegensatz zu "ich wohne" so absurd klingt, obwohl das Verhältnis von Wald zu mir oder Wohnung zu mir kein anderes ist.
Das ist mit der Auflösung der Subjekt-Objekt-Relation gemeint. Ich (Subjekt) bin nicht mehr in der Welt (Objekt), sondern "ich bin Welt".
Das ist dann in etwa von der Bedeutung her das, was mit der "Leerheit" gemeint ist: Nichts existiert unabhängig?
Empirische Wissenschaft versucht jedoch meist, die kontextunabhängige Wahrheit zu finden. Wissen soll generalisierbar sein. Diese Verallgemeinerbarkeit bzw. das Streben nach ihr ist ein wesentliches Charakteristikum des abendländischen Denkens, das stets versucht, die letzte und allgemeinste Wahrheit zu finden.
Was ein ausgesprochener Quark ist. :cool: Ohne Kontext geht gar nichts, weil eben alles in Relation zueinander steht. Damit dann auch ein Horoskop, ein ausgelegtes Kartenbild oder ein geworfenes Streichholz oder was auch immer - Bedeutung kann auch ein Blatt haben, dass mir der Wind vor die Nase weht.
Das Charakteristikum der Metis ist es gerade, dass sie den Kontext berücksichtigt und eine kluge Entscheidung treffen kann, die im Augenblick sinnvoll ist. Daher muss jedes Charts aufs Neue interpretiert werden, da der jeweils besondere Kontext der Erscheinung berücksichtigt werden muss.
Im Grunde genommen ist das eine "Binse" bzw. sollte es eine sein. Bei aller machbaren Genauigkeit - oder scheinbaren Genauigkeit - der Berechnung eines Horoskopes geht das allerdings manchmal unter oder scheint unterzugehen. Wobei das eine das andere nicht ausschließt.
Astro hat geschrieben:Hmm das Stundenhoroskop ist nicht nur eine Konstruktion meines Kopfes, es ist schon mehr, würde ich sagen. Das Transzendieren ist ein Prozess, der vor allem im Neuplatonismus angestrebt wurde, in der Überwindung der Planetensphären, um in die Fixsternsphäre aufzusteigen). Konkret beschrieben wird es jedoch nie.
Rita hat geschrieben:Nicht bös' gemeint: Da bekomme ich Kopfweh, weil ich es nicht verstehe, was damit gemeint sein soll. Wo nichts Konkretes ist, kann es auch nicht konkret beschrieben werden. Was ich diesen Sätzen entnehmen kann: Es gibt Grenzen, die überwunden oder überschritten werden können, sei es im Denken, im Empfinden, im Wahrnehmen. Diese "Überschreitungen" lassen sich allerdings nur schwer in Worte fassen.
Es heißt, dass wenn der Mensch nicht mehr den Energien von Mond bis Saturn unterworfen ist, kommt er zurück in die reine Fixsternsphäre, in das Primum Coelum. Dies wird erreicht durch Bewusstseinserweiterung, Rituale usw. Es geht eigentlich um das Abwerfen der irdischen Fesseln, der irdischen Gesetze."Der Weise beherrscht seine Sterne". Wobei es weniger ums Beherrschen geht, als um das Auflösen.
:yes: Das ist also bildhaft gemeint - in diesem Beispiel sind die unterschiedlichen Bereiche die Planeten- und die Fixsternsphären - aber man könnte genauso gut ein anderes, in etwa diesem entsprechendes Bild bemühen, je nach kulturellem Kontext oder auch persönlicher Neigung.
Mit "Einheit" von Astrologe und Klient meine ich, dass sie nicht verschmelzen, aber einen gemeinsamen Zusammenhang bilden. Es gibt ja die alte Deutungsregel, dass wenn der Saturn in Haus 7 steht, der Astrologe das Chart nicht deuten soll oder wenn, dann sehr vorsichtig. Darin drückt sich genau dieser Umstand aus: Der Fragende ist das 1. Haus, der Astrologe das 7. Haus. Beide sitzen mit diesem Chart zwangsläufig in einem Boot, da die Beratungssituation und das resultierende Chart aus der Begegnung der beiden entstanden sind.
Das ist viel verständlicher. :yes: Und auch oft beobachtbar, auch jenseits von Stundenhoroskopen. Bei vielen Anfragen (auch in Foren) ist der "Vorteil", dass der Astrologe nicht ins Boot steigen muss, wenn er registriert, dass der Frager einen Bootstsyp bevorzugt, der nicht nach Gusto (Fähigkeiten etc.) des Astrologens ist. Steigt der Astrologe dennoch ein, kann das Boot gar heftig schaukeln oder kentern. Umgekehrt kann eine gemeinsame Fahrt in beiden die besten Seiten sichtbar machen und am Ende legen beide hochzufrieden an.

Liebe Grüße
Rita
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Beitrag von Astro28 »

Hallo GreenTara :)

Jetzt hast du einen Doppelpost gemacht :D
Das ist dann in etwa von der Bedeutung her das, was mit der "Leerheit" gemeint ist: Nichts existiert unabhängig?
Ich weiß zwar nicht, was "Leerheit" bedeutet, aber ja: nichts existiert "außerhalb" meiner selbst. Die Welt ist mir immer schon als die "meinige" gegeben.

Aber natürlich kann man hier auch wieder "streiten", ob dies Anlass sein kann / darf / soll, "Objektivität" oder "Außersubjektivität" komplett über Bord zu werfen. Es ist auf jeden Fall diskussionswürdig, wobei man keine letzte Lösung finden wird.
Was ein ausgesprochener Quark ist. :cool: Ohne Kontext geht gar nichts, weil eben alles in Relation zueinander steht. Damit dann auch ein Horoskop, ein ausgelegtes Kartenbild oder ein geworfenes Streichholz oder was auch immer - Bedeutung kann auch ein Blatt haben, dass mir der Wind vor die Nase weht.
Genau, ein Horoskop "an sich" kann man fast gar nicht deuten, es kommt nur Wirres Zeug heraus :cool2:

Daher bin ich bei Ereignishoroskopen so skeptisch. Die Geburt eines Menschen stellt zwar auch ein Ereignis dar, nur habe ich hier im konkreten Fall ein lebendiges Bewusstsein, welches durch seine Fähigkeit zur Erinnerung und zur Herausbildung einer selbstreflexiven Biographie die Bedeutungsmuster im Horoskop zum Leben erweckt, erlebt und artikuliert. Wir können dann als Rezipienten anhand der Lebensäußerungen des Menschen das dahinter liegende Horoskop verstehen und entschlüsseln.

Ein Ereignishoroskop hängt jedoch "in der Luft". Zumindest so, wie es meist gedeutet wird. Es hat keine konkrete Zuständigkeit, kein Bewusstsein, dem es sich offenbart und an das es sich "anheften" kann.

Angenommen, es findet eine Demo statt. Zum Zeitpunkt der Demo schauen beide Parteien auf das Ereignishoroskop und beide erheben den Anspruch, sich darin wiederzufinden und werten das Horoskop für sich jeweils aus der Perspektive des AC aus. Was nun? Gilt für beide das gleiche :axo:

Ich denke, man muss Ereignishoroskope stets mit den Horoskopen der Menschen abgleichen, für die es potentiell eine Bedeutung haben kann. Man muss sich, denke ich, genau überlegen, wer in das Ereignishoroskop unter welchen Gesichtspunkten "einsteigen" kann. Es geht eigentlich um die Suche nach jener Instanz, für die das Ereignishoroskop "sinnhaft" wird. Denn für sich alleine kann es nicht sinnhaft sein.

LG Astro26

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Beitrag von GreenTara »

Hallo Astro :)
Astro26 hat geschrieben:
So 8. Apr 2018, 11:26
Jetzt hast du einen Doppelpost gemacht :D
Dieser Thread ist stur, störrisch, doof und mag mich nicht: Der Doppelpost war das Ergebnis widerborstiger ineinander verschachtelter Zitate. :roll: :D Und jetzt hat es meine Antwort gefressen. :schmoll: Mal sehen, ob ich sie wieder hingeschrieben bekomme. Auf jeden Fall ist der verunglückte Beitrag im Foren-Abyssos verschwunden.
Ich weiß zwar nicht, was "Leerheit" bedeutet, aber ja: nichts existiert "außerhalb" meiner selbst. Die Welt ist mir immer schon als die "meinige" gegeben.
"Leerheit" ist die Abwesenheit unabhängigen Seins. Ganz einfach. :D Mir ist das so vertraut, dass ich gar nicht mehr auf die Idee komme, etwas könne ohne Kontext wahrgenommen werden oder existieren.
Aber natürlich kann man hier auch wieder "streiten", ob dies Anlass sein kann / darf / soll, "Objektivität" oder "Außersubjektivität" komplett über Bord zu werfen. Es ist auf jeden Fall diskussionswürdig, wobei man keine letzte Lösung finden wird.
Mir persönlich ist ein Rätsel, wie man darauf kommen kann, dass alles, was mit menschlicher Wahrnehmung zu tun hat, völlig objektiv sein könne - vor allem nach meinem Ausflug in die Wissenschaft und der Bekanntschaft mit den dortigen Gepflogenheiten. :cool:
Ein Ereignishoroskop hängt jedoch "in der Luft". Zumindest so, wie es meist gedeutet wird. Es hat keine konkrete Zuständigkeit, kein Bewusstsein, dem es sich offenbart und an das es sich "anheften" kann.
Wer ein Ereignishroskop erstellt, hat ein Interesse an der Begebenheit und ohne dieses Interesse gibt es kein Ereignishoroskop. Der Bezugspunkt ist das Interesse an etwas.
Angenommen, es findet eine Demo statt. Zum Zeitpunkt der Demo schauen beide Parteien auf das Ereignishoroskop und beide erheben den Anspruch, sich darin wiederzufinden und werten das Horoskop für sich jeweils aus der Perspektive des AC aus. Was nun? Gilt für beide das gleiche :axo:
Weshalb aus der Perspektive des ACs? Und weshalb müssen sich die Parteien wiederfinden? Was ich im Hinterkopf habe: Wenn man das Ereignis wie ein Horary deutet - etwa mit der Frage im Hinterkopf: Wer gewinnt das Fussball-Match und den Mannschaften AC und DC zuordnet - dann geht das meist schief. Konzentriert man sich aber auf den Inhalt oder Verlauf, dann sind beide Parteien abgebildet, ohne dass man sagen könnte, welche Mannschaft gewinnt. (Haben cazimi und ich mehrfach ausprobiert, was nicht heißt, dass das immer so ist.)
Es geht eigentlich um die Suche nach jener Instanz, für die das Ereignishoroskop "sinnhaft" wird. Denn für sich alleine kann es nicht sinnhaft sein.
Meinst du mit "sinnhaft" in diesem Zusammenhang die Bedeutsamkeit oder eher Zweck bzw. Ziel der Betrachtung des Horoskops?

Liebe Grüße
Rita
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(Stunden-)Astrologie als "Divination"

Beitrag von Astro28 »

Hallo GreenTara :)
Dieser Thread ist stur, störrisch, doof und mag mich nicht: Der Doppelpost war das Ergebnis widerborstiger ineinander verschachtelter Zitate. :roll: :D Und jetzt hat es meine Antwort gefressen. :schmoll: Mal sehen, ob ich sie wieder hingeschrieben bekomme. Auf jeden Fall ist der verunglückte Beitrag im Foren-Abyssos verschwunden.
Mars/Saturn oder rückläufiger Merkur? :lacher:
"Leerheit" ist die Abwesenheit unabhängigen Seins. Ganz einfach. :D Mir ist das so vertraut, dass ich gar nicht mehr auf die Idee komme, etwas könne ohne Kontext wahrgenommen werden oder existieren.
Das erzähle mal einem empirischen Wissenschafter :kopfueb:
Mir persönlich ist ein Rätsel, wie man darauf kommen kann, dass alles, was mit menschlicher Wahrnehmung zu tun hat, völlig objektiv sein könne -
Genau das versucht man ja mit Hilfe der empirischen Wissenschaft zu überwinden - die Subjektivität. Durch genaue, möglichst nicht-normative Beschreibungen, rein deskriptiv. Und durch die Falsifikation, als die Widerlegung des aktuellen Wissens, um sich der Wahrheit sukzessive zu nähern. Und möglichst generalisierbar, wiederholbar und in der Form "Immer wenn A, dann B ...".
Wer ein Ereignishroskop erstellt, hat ein Interesse an der Begebenheit und ohne dieses Interesse gibt es kein Ereignishoroskop. Der Bezugspunkt ist das Interesse an etwas.
Dann ist aber der Kontext bzw. die "Intention" des Astrologen / der Astrologen / des Kollektivs maßgeblich konstitutiv. Oder nicht?

Denn - "Interesse an der Begebenheit" - ist das nicht wieder "außerhalb meiner Selbst" gedacht? Würde man hier der "Begebenheit" nicht wieder eine eigenständige Bedeutung zumessen?
Weshalb aus der Perspektive des ACs? Und weshalb müssen sich die Parteien wiederfinden? Was ich im Hinterkopf habe: Wenn man das Ereignis wie ein Horary deutet - etwa mit der Frage im Hinterkopf: Wer gewinnt das Fussball-Match und den Mannschaften AC und DC zuordnet - dann geht das meist schief. Konzentriert man sich aber auf den Inhalt oder Verlauf, dann sind beide Parteien abgebildet, ohne dass man sagen könnte, welche Mannschaft gewinnt. (Haben cazimi und ich mehrfach ausprobiert, was nicht heißt, dass das immer so ist.)
Das Beispiel mit den Fußballspielen ist genau das, was ich im Hinterkopf hatte :D Ich wollte damit zum Ausdruck bringen, dass je nach dem, wer das Horoskop deutet, davon ausgeht, der AC zu sein.
Meinst du mit "sinnhaft" in diesem Zusammenhang die Bedeutsamkeit oder eher Zweck bzw. Ziel der Betrachtung des Horoskops?
Das Ereignishoroskop wird von jemandem erstellt. Dieser jemand hebt es in die Bedeutsamkeit, macht daraus einen "Take". Aber für die- oder denjenigen, für den / die das Ereignishoroskop erstellt wird, ziehen aus diesem ganz andere Schlüsse (da sie ihre Voraussetzungen und ihren "wahren" Kontext kennen) als die, die Zaungäste sind und das Horoskop von außen deuten.

Z.B. nimmt man die Inauguration von Obama: für ihn hat das Ereignischart ganz andere Bedeutungsdimensionen, als für uns außenstehende. Da wir einfach nur als Mitmenschen der Öffentlichkeit Teil seiner "Lebenswelt" sind. Für ihn, der jedoch das Wissen über die Regierungsarbeit hat und vieles mehr, ergeben sich daraus ganz andere Zusammenhänge.

Das Ereignishoroskop kann also nicht für sich stehen und etwas bedeuten.

Ist es jetzt klarer, worauf ich hinaus will?

LG Astro26

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Beitrag von Traumprinz »

Hallo Astro26 :)
Astro26 hat geschrieben:
So 8. Apr 2018, 20:53
"Leerheit" ist die Abwesenheit unabhängigen Seins. Ganz einfach. :D Mir ist das so vertraut, dass ich gar nicht mehr auf die Idee komme, etwas könne ohne Kontext wahrgenommen werden oder existieren.
Das erzähle mal einem empirischen Wissenschafter :kopfueb:
Ich als Naturwissenschaftler finde ja schon lange, dass vieles aus der modernen Physik esoterischer klingt als vieles, was man in "Walters Forum" zu lesen bekommt. :D
Auf Quantenebene kann man aber sogar nachweisen, dass es einen Unterschied für den Ausgang des Experiments macht, ob es einen Beobachter gibt oder nicht. Wenn man nämlich einzelne Lichtquanten auf den Weg schickt, und dabei den Versuchsaufbau so wählt, dass der Weg entweder eindeutig definiert ist, oder man zwischen zwei möglichen Wegen nicht unterscheiden kann. Im einen Fall verhält sich das Licht an der Mess-Station als Welle, im anderen als Teilchen... :crazy: Sehr faszinierendes Experiment. :yes:
Genau das versucht man ja mit Hilfe der empirischen Wissenschaft zu überwinden - die Subjektivität. Durch genaue, möglichst nicht-normative Beschreibungen, rein deskriptiv. Und durch die Falsifikation, als die Widerlegung des aktuellen Wissens, um sich der Wahrheit sukzessive zu nähern. Und möglichst generalisierbar, wiederholbar und in der Form "Immer wenn A, dann B ...".
Entscheidend dabei ist aber auch immer der Rahmen, innerhalb dessen die Gesetze gelten. Um bei der Physik zu bleiben: Einsteins Relativitätstheorie hat die Newtonschen Bewegungsgesetze nicht widerlegt, sondern als Spezialfall in sich aufgenommen. Vorher schien Newton alles Beobachtbare treffend zu beschreiben, heute geht man davon aus, dass seine Formeln nur einen sehr kleinen Ausschnitt bei "niedrigen" Geschwindigkeiten erfassen.
Das Ereignishoroskop wird von jemandem erstellt. Dieser jemand hebt es in die Bedeutsamkeit, macht daraus einen "Take". Aber für die- oder denjenigen, für den / die das Ereignishoroskop erstellt wird, ziehen aus diesem ganz andere Schlüsse (da sie ihre Voraussetzungen und ihren "wahren" Kontext kennen) als die, die Zaungäste sind und das Horoskop von außen deuten.

Z.B. nimmt man die Inauguration von Obama: für ihn hat das Ereignischart ganz andere Bedeutungsdimensionen, als für uns außenstehende. Da wir einfach nur als Mitmenschen der Öffentlichkeit Teil seiner "Lebenswelt" sind. Für ihn, der jedoch das Wissen über die Regierungsarbeit hat und vieles mehr, ergeben sich daraus ganz andere Zusammenhänge.

Das Ereignishoroskop kann also nicht für sich stehen und etwas bedeuten.
Ist nicht eigentlich genau für derartige Unterscheidungen die Technik entwickelt worden, Radices übereinander zu legen? Im Zusammenspiel mit Obamas Geburtshoroskop müssten sich ganz andere, individuelle Auslösungen finden lassen, als es bei anderen Leuten der Fall ist. :gruebel:

Liebe Grüße,
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„Oft fällt das Denken schwer, indes
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Beitrag von Astro28 »

Hallo Traumprinz :)

Ja, auf der Quantenebene tut sich sehr viel :yes:

Die Generalisierbarkeit hat immer auch einen Rahmen, das stimmt. Vor allem die Sozialwissenschafter müssen immer zur Kenntnis nehmen, dass sie mit Hypothesen und Theorien arbeiten, jedoch nie zu den allgemeinen Gesetzen vorstoßen - die als unbegrenzt gültig (zumindest im Ideal) gedacht werden.

Und ja, der Vergleich mit Obamas Radix würde dann aufzeigen, wie seine Wirklichkeit mit dem Ereignis zusammenhängt, und genau das ist mein Punkt.

Das Ereignis kann immer nur von jemandem als etwas verstanden werden. Das „von“ wäre die konkrete Person (oder Instanz) und ihr Radix, das „als“ der Vergleich mit dem Radix.

Aber das Ereignishoroskop alleine zu deuten heißt, dass man ein eigenständiges, unabhängiges Bewusstsein voraussetzt, welches „selbstständig“ denkt bzw. sich selbst artikuliert und sich zu sich selbst in Beziehung setzt. Wie bei einem Radix von einem einzelnen Menschen, dessen Bewusstsein und seine Wechselwirkung mit der Umwelt die Bedeutung des Radix erzeugt.

Außer man sagt, es agiert hier ein übergeordnetes, kollektives Bewusstein, die Summe allen Bewusstseins auf der Erde. Aber ob das so ist ...?

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Beitrag von Traumprinz »

Hallo Astro26 :)
Astro26 hat geschrieben:
Di 10. Apr 2018, 07:41
Aber das Ereignishoroskop alleine zu deuten heißt, dass man ein eigenständiges, unabhängiges Bewusstsein voraussetzt, welches „selbstständig“ denkt bzw. sich selbst artikuliert und sich zu sich selbst in Beziehung setzt. Wie bei einem Radix von einem einzelnen Menschen, dessen Bewusstsein und seine Wechselwirkung mit der Umwelt die Bedeutung des Radix erzeugt.

Außer man sagt, es agiert hier ein übergeordnetes, kollektives Bewusstein, die Summe allen Bewusstseins auf der Erde. Aber ob das so ist ...?
Nun, ich deute keine Ereignishoroskope ;) aber ich sehe trotzdem keinen qualitativen Unterschied zwischen einem Ereignis und einem Radix. Dort einen Unterschied konstruieren zu wollen, erinnert mich an das, was (nicht nur) in der Biologie als "anthropozentrischer Standpunkt" bekannt ist: Wir halten uns für etwas Besonderes, also muss sich das auch irgendwo widerspiegeln. Ich persönlich bin der Meinung, dem ist nicht so, aber darüber kann man sich wahrscheinlich herzlich streiten...

Liebe Grüße,
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